Best Practice: Wenn Vielfalt die Regel ist

Mittwoch. 13.Juni. 17 Uhr: Starkregen. Von diesem haben sich die interessierten Gäste aber nicht abbringen lassen und sind der Einladung des Vereins „Wirtschaft für Integration“ zu einer weiteren Tea Time gefolgt. Im Zentrum des Abends standen Erfahrungen, die Unternehmen mit zugewanderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, mit und ohne Fluchthintergrund, gemacht haben. Mit dabei war auch das Team von inclusion@work, einem Projekt der Caritas Wien und ABZ*AUSTRIA, dem an diesem Abend besondere Aufmerksamkeit zukam.

Arbeitsmarktintegration und Erfahrungen von Unternehmen

Während sich in der Garderobe die Schirme stapelten, warteten die Zuhörerinnen und Zuhörer im Festsaal der Wirtschaftskammer gespannt auf die Sicht und die Erfahrungen der Unternehmen zum Thema Arbeitsmarktintegration. Der Abend diente zum einen der Erfahrungsaustausch und zum anderen dazu andere Unternehmen zu ermutigen, diesen Weg zu gehen.

Wissensaustausch durch Kurzinterviews

Durch den Abend führte Peter Wesely, Geschäftsführer des Vereins „Wirtschaft für Integration“. „Wir haben einen weiten Bogen von Frauen und Männern in unterschiedlichen Positionen und werden versuchen, verschiedene Facetten auszuleuchten, wenn es darum geht, in die Arbeitsmarktintegration zu gehen.“ Gesagt, getan. So berichtet Wesely, von der an diesem Abend verhinderten Vroni Blaschke, die in ihrem IT-Beratungsunternehmen Lumasi händeringend nach qualifiziertem Personal gesucht hat. Lange erfolglos, bis sie die Bewerbung eines jungen Syrers erhalten hat. Er war neben seiner beruflichen Qualifikation zudem der einzige Bewerber, der die Fragen in grammatikalisch richtigem Deutsch ausgefüllt hatte, erzählt der Geschäftsführer schmunzelnd. Nach dem Vorstellungsgespräch war klar, Vroni Blaschke und ihr Team hatten ihren neuen Kollegen gefunden. Dies auch dank dem Unternehmen „More than one Perspective“, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, hochqualifizierte Zugewanderte auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Die Erfolgsgeschichte von Lumasi ist eine von vielen, wie Nina Poxleitner stolz erzählt.

Von der Baustelle bis zur kulturellen Teilhabe

Auch Felix Krebs, Geschäftsführer einer Metallbau-Schlosserei, betont, dass Vielfalt in seinem Betrieb die Regel ist. „Ohne Zugewanderte würden wir nicht mehr existieren.“ Genau deswegen hat auch er in seinem Betrieb Mitarbeiter mit Fluchthintergrund angestellt. „Aus der Überzeugung heraus, dass es dem Arbeitsmarkt dienlich ist, und weil ich der Meinung bin, dass die Menschen Arbeit brauchen und integriert werden müssen.“ Ümit Mares-Altinoks Geschäftsmodell als Unternehmensberaterin ist so vielfältig wie die Menschen, mit denen sie tagtäglich zu tun hat. Besonders wichtig ist ihr in ihrer Arbeit, kulturelle und wirtschaftliche Teilhabe zu ermöglichen und dass sich der Diversity-Gedanke nachhaltig in der Unternehmensphilosophie verankert.

Erfolgreiche Zusammenarbeit

Damir Pljevljakovic streicht in seinem Gespräch mit Peter Wesely hervor, wie wichtig es ist, dass es Organisationen gibt, die Unternehmen dafür sensibilisieren und dabei unterstützen, zugewanderte Menschen in ihren Betrieb aufzunehmen. Dafür steht er auch heute noch im engen Kontakt mit den Beraterinnen von ABZ*AUSTRIA und ist begeistert von den neuen Mitarbeiterinnen aus Somalia, Afghanistan und Syrien. „Top Frauen und tolle Mitarbeiterinnen. Man muss zugewanderten Frauen nur eine Chance geben. Für Integration ist nach der Sprache die Arbeit der nächste Schritt. Ich denke, jeder Unternehmer muss diesen Leuten die Hand geben und ihnen helfen, auf eigenen Beinen zu stehen.“ Das hat er mit seiner Firma Wienclean getan und so Frauen eine neue Chance gegeben.

Kompetenzen aufzeigen und richtig einsetzen

Manuela Vollmann, Geschäftsführerin von ABZ*AUSTRIA betritt nach ihm die Bühne und darf unter anderem über das Projekt inclusion@work und über die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit Unternehmen sprechen:  „Wenn wir geflüchtete oder zugewanderte Frauen bei der Integration unterstützen wollen, dann brauchen wir die Unternehmen. Deswegen bin ich immer froh, dass es solche Veranstaltungen gibt.“ Die Wichtigkeit der engen Zusammenarbeit unterstreicht sie auch mit aktuellen Zahlen. 32 420 geflüchtete Menschen waren im März diesen Jahres arbeitssuchend oder in Schulungen gemeldet. 40 Prozent davon waren Frauen. Fast eine Verdoppelung zum Jahr 2015, als der Frauenanteil hier noch zwischen 23 und 25 Prozent betragen hat. All diese Frauen sind asylberechtigt oder haben subsidiären Schutz und sind somit voll zugänglich für den Arbeitsmarkt.

Qualifizierte Kräfte für den Arbeitsmarkt

Manuela Vollmann betont, dass geflüchtete Frauen besser qualifiziert sind als die zugewanderten Männer. Dies beweisen Untersuchungen des Programms „Kompetenzcheck“, in dem geflüchteten Personen geholfen wird, ihre Kompetenzen zu erkennen und die richtige Weiterbildung oder Berufssparte zu finden. Sie berichtet zudem über die Wichtigkeit der Integration der Frauen am Arbeitsmarkt, weil diese dann die Familie in den Prozess einbeziehen. Deswegen sei es essentiell, Frauen dabei zu helfen, ein selbstständiges Leben zu führen. Einen weiteren Vorteil beim Kompetenzcheck sieht sie im Arbeiten in geschlechtshomogenen Gruppen – für Frauen, genauso wie für Männer. So wird durch das gemeinsame Lernen und Arbeiten der Selbstwert gestärkt. Zudem werden beim Kompetenzcheck die Frauen sowohl in ihrer Muttersprache als auch in Deutsch angesprochen, um Barrieren ab- und Vertrauen aufzubauen. „Die Erfahrung zeigt, dass die Frauen wahnsinnig schnell sagen, dass sie Deutsch reden möchten und keine übersetzten Texte wollen. Sie sind höchst resilient, qualifiziert und wollen arbeiten – was wollen wir mehr für den Arbeitsmarkt und für die Wirtschaft?!“, klärt die Geschäftsführerin motiviert auf.

inclusion@work – So geht Vielfalt für Unternehmen und Frauen

Besonders am Herzen liegt Manuela Vollmann das neueste Projekt „inclusion@work“, das in Kooperation mit Caritas Wien und Refugees Work durchgeführt wird. Unternehmen, die KooperationspartnerInnen werden, können kostenlose Beratung beim Recruiting und Onboarding von geflüchteten Frauen in Anspruch nehmen. „Das Wichtige ist, dass Unternehmen meist zu uns kommen, wenn es Personalbedarf gibt. Dann sind sie auch bereit, etwas zu investieren und diesen Weg der Arbeitsmarktintegration zu gehen – diese Willkommenskultur in den Unternehmen aufzubauen. Ein wahnsinnig wichtiger Schritt, der nicht nur einfach ist“, klärt Manuela Vollmann auf. Ein Schritt, bei dem das motivierte Team von inclusion@work in den kostenlosen Unternehmensberatungen helfen kann und zeigt, wie Mitarbeiterinnen optimal eingebunden werden können. Dabei stehen maßgeschneiderte Beratung und individuelle Lösungen am Tagesprogramm. Abschließend betont die Geschäftsführerin „Wir brauchen schon auch Unterstützung von der Wirtschaft, dass wir die Menschen in die Gesellschaft holen. Wir wissen es alle – Arbeit ist sinnstiftend!“

Mut machen: Tu Gutes und sprich darüber!

Dem schließen sich die letzten Redner des Abends an. Alois Grill, pädagogischer Leiter des zukünftigen ÖBB-Ausbildungszentrums, berichtet von den Herausforderungen des Alltags mit den Lehrlingen und von der erfolgreichen Zusammenarbeit mit der Lobby 16, vertreten durch Peter Russ. Goran Lovrić von Western Union will mit den positiven Erfahrungen, die er mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Fluchthintergrund gemacht hat, andere Unternehmen ermutigen, diesen Weg zu gehen und dies auch in der Öffentlichkeit zu kommunizieren.

Die Rednerinnen und Redner des Abends haben bewiesen, Arbeitsmarktintegration kann auf verschiedene Art und Weise geschehen und ist so facettenreich wie die Unternehmen selbst. Gerade deswegen fand auch nach dem offiziellen Part des Abends noch ein reger Austausch zwischen den Gästen statt.

Auf dem Foto ist das inlcusion@work-Team mit Fariba Olschakt, Manuela Vollmann (Geschäftsführerin ABZ*AUSTRIA), Tamara Dorner und Angelika Maier zu sehen, die  sich bei der Tea Time des Vereins „Wirtschaft für Integration“ zum Thema „Arbeitsmarktintegration und Asyl – Erfahrungen aus Unternehmen“ austauschten.

Fotos wurden zur Verfügung gestellt vom Verein „Wirtschaft für Integration“, Fotograf Niko Havranek/VWFI.

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