Kick-off inclusion@work: Vielfalt am Arbeitsplatz leben

Im Start-up-Zentrum weXelerate ist Innovation zuhause. Hier arbeiten kreative Köpfe unter einem Dach an ihren Projekten. So überrascht es nicht, dass inclusion@work genau hier seinen Kick-off gefeiert hat. Der Einladung sind Interessierte, Unternehmen, Projektpartner und Projektpartnerinnen gefolgt.

Kluge Köpfe richtig nutzen

Moderatorin Manuela Raidl fasst das Ziel des Nachmittags passend zusammen: „Um zu zeigen, dass Vielfalt am Arbeitsplatz ein Asset ist.“ Frauen mit Fluchthintergrund nachhaltig in den Arbeitsmarkt zu integrieren – ein Asset für die Frauen, Unternehmen und somit für die Wirtschaft im Allgemeinen. Das bestätigt die Umfrage unter Unternehmen, die bereits mit geflüchteten Angestellten gearbeitet haben: 91 Prozent von ihnen würden dies wieder tun. „Das, was wir aktuell ganz dringend brauchen, ist Zuversicht und Zusammenhalt. Konkrete Projekte, die einen Unterschied machen und zeigen, wie Zusammenleben funktionieren und umgesetzt werden kann“, fasst Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas der Erzdiözese Wien, die Motivation von inclusion@work zusammen. Denn inclusion@work macht einen Unterschied – für die geflüchteten Frauen genauso wie für die Unternehmen, die sie aufnehmen. Möglich machen das Mittel des Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union und des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz.

Zahlen und Fakten zum Einstieg

Doch bevor die Besucherinnen und Besucher mehr über das Projekt erfahren, sind sie selbst gefragt. Durch ein interaktives Quiz, bei dem das Publikum die Ergebnisse live auf der Leinwand mitverfolgen kann, werden die Gäste in das Thema Flucht und Arbeitsmarkt eingeführt. Wussten Sie beispielsweise, dass die Hälfte aller weltweit geflüchteten Frauen sind? Oder dass in Österreich 40 Prozent aller Asylanträge von Frauen gestellt werden? Das Quiz unterstreicht, Frauen, besonders aus Syrien und dem Irak, sind besser ausgebildet als ihre männlichen Landsleute. 28 Prozent der Frauen haben einen Hochschulabschluss, aber nur 40 Prozent von ihnen bringen Arbeitsmarkterfahrung mit. Hier setzt inclusion@work an: „Wir wissen aus der Arbeit mit den Unternehmen und den Frauen, dass die Frauen viele Kompetenzen mitbringen. Wir wissen auch, dass Unternehmen davon profitieren, wenn sie Diversity wirklich leben. Weil Diversität Produktivität und neue Kundinnen und Kunden bringt“, führt ABZ*AUSTRIA Geschäftsführerin Manuela Vollmann aus.

Mehrsprachigkeit und Kulturvielfalt als Gewinn

Rita Huber hat bereits eine kostenlose Unternehmensberatung bei inclusion@work in Anspruch genommen, wie sie in einem Video über das Projekt verrät: „Für uns bei Rita bringt’s ist es wichtig zu wissen, dass es so ein Angebot wie von inclusion@work gibt. Wir können uns auf die Leute einlassen, die durch das Programm zu uns kommen, und dazu ist die Beratungsleistung ganz wichtig und essenziell für uns. Ich muss mich nicht fürchten, dass ich mich um alles selber kümmern muss, sondern es gibt jemandem, der mir mit Rat und Tat zu Seite steht.“ Die inclusion@work-Beraterinnen unterstützen und beraten Unternehmen bedarfsorientiert, wenn sie eine Frau mit Fluchthintergrund einstellen wollen, genauso werden die Frauen begleitet, klärt Angelika Maier, die die Teil-Projektleitung gemeinsam mit Fariba Olschak übernommen hat, auf. „Wir unterstützen die Unternehmen, engagierte Mitarbeiterinnen zu gewinnen, und die Frauen dabei, dass sie gut im Job ankommen.“

Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas der Erzdiözese Wien, und Manuela Vollmann, Geschäftsführerin von ABZ*AUSTRIA, stehen vor den Veranstaltungsgästen und präsentieren ein Quiz über die Plattform Kahoot. (Fotos von Jahan Saber)
Mit einem live Quiz über die Plattform Kahoot weckten Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas der Erzdiözese Wien, und Manuela Vollmann, Geschäftsführerin von ABZ*AUSTRIA, die Aufmerksamkeit der Gäste. Wussten Sie zum Beispiel, dass 40 Prozent der Asylanträge in Österreich von Frauen gestellt werden? (Fotocredit: Jahan Saber)

Step by step zur erfolgreichen Zusammenarbeit

Das Angebot von inclusion@work gliedert sich in drei Phasen: Recruiting, Onboarding und Organisationskultur. Besonders die Phase des Onboarding ist für eine nachhaltige Zusammenarbeit von großer Bedeutung „Die Praxis hat gezeigt, dass es gerade in den ersten Arbeitstagen und -wochen entscheidend für das Unternehmen und die Frau ist, dass es gut zusammenpasst – da stehen wir als Ansprechpartnerinnen und -partner für beide Seiten zur Verfügung“, berichtet Angelika Maier aus dem Alltag des Projekts. Interessiert sich ein Unternehmen dafür, eine Mitarbeiterin mit Fluchthintergrund in sein Team aufzunehmen, setzen die inclusion@work-Beraterinnen gemeinsam mit dem Partnerunternehmen eine Stellenausschreibung auf, diese wird dann im Netzwerk gestreut. inclusion@work fungiert hier als Drehscheibe, NetzwerkpartnerInnen vermitteln dann die Frauen ans Unternehmen und machen das sogenannte Matching – sie klären die Motivation und Eignung der Bewerberinnen ab. Der Bewerbungsprozess selbst wird dann vom motivierten Team von inclusion@work begleitet.

Drehscheibe zwischen Frauen, Unternehmen und Netzwerkpartnerinnen/-partnern

Die Beratung ist für beide Seiten kostenlos. Die Teil-Projektleiterinnen berichten, dass die Fragen, die den Unternehmen am meisten unter den Fingernägeln brennen, die Rechtslage, der Aufenthaltstitel, die Förderungen und Möglichkeiten sind. Auch Teil-Projektleiterin Fariba Olschak betont die Wichtigkeit der ersten Tage. Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, bevor sie entstehen können, vermittelnd zu wirken und neue Systeme zu etablieren, ist dabei die Aufgabe von inclusion@work. Systeme wie das Mentoringsystem, bei dem die Frauen, die neu ins Unternehmen kommen, eine konkrete Ansprechperson haben, an die sie sich bei Fragen und Anliegen wenden können, werden dabei eingesetzt. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Frauen sehr schnell in das Unternehmen reinkommen, wenn sie einen Mentor oder eine Mentorin zur Seite haben.“

Interkulturelles Miteinander am Arbeitsplatz

In der Phase der Organisationskultur geht es vor allem um das interkulturelle Miteinander. Hier bietet inclusion@work Workshops zu verschiedenen Themen wie „Gender & Diversity“ oder „Interkulturelle Kommunikation“ an. Das Ziel ist bei allen Workshops klar, sie sollen ein gutes Miteinander im Unternehmen fördern. „Was wir bisher gemerkt haben, ist, dass die Frauen, wenn sie die Möglichkeit haben zu arbeiten, sehr motiviert sind. Wir haben sehr viele Frauen, die noch nie die Chance hatten zu arbeiten. Für sie ist es wunderschön zu hören, dass sie arbeiten dürfen. Sie bringen so viel Motivation mit, dass sie bereit sind, mehr zu arbeiten und schnell zu lernen. Ich finde, das sind die Mitarbeiterinnen, die ein Unternehmen braucht“, schließt Frau Olschak die Projektvorstellung ab.

Am Podium zu sehen sind Manuela Vollmann (ABZ*AUSTRIA), Rita Huber (Rita bringt's), Dominique Müllner (Billa AG), Judith Kohlenberger (Sozialinstitut der WU Wien) und Klaus Schwertner (Caritas Wien). (Fotocredit: Jahan Saber)
Am Podium tauschten sich Manuela Vollmann (ABZ*AUSTRIA), Rita Huber (Rita bringt's), Dominique Müllner (Billa AG), Judith Kohlenberger (Institut der Sozialpolitik an der Wirtschaftsuniversität Wien) und Klaus Schwertner (Caritas Wien) über die Vorteile von Diversität in Unternehmen aus. (Fotocredit: Jahan Saber)

Wenn Wissenschaft und Praxis ineinandergreifen

„Ich finde Podium wirklich toll, denn oft wird eine Moderatorin gebucht, damit zumindest eine Frau auf der Bühne ist“, mit diesen Worten eröffnet Moderatorin Manuela Raidl lachend die anschließende Podiumsdiskussion. Eine bunte Mischung aus Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Praxis haben es sich nicht nehmen lassen, sich zu dem spannenden Thema auszutauschen. Judith Kohlenberger vom Institut der Sozialpolitik an der Wirtschaftsuniversität Wien unterstreicht gleich zu Beginn: „Ich kann vorausschicken, dass alles, was wir aus der Forschung wissen, was für die Integration von geflüchteten Frauen wirkt und sinnvoll ist, hier par excellence umgesetzt wird.“ Das Aufzeigen von informalen Fertigkeiten und Kompetenzen sieht sie als Schlüsselfaktor für eine nachhaltige Integration am Arbeitsmarkt, denn sowohl wenig qualifizierte als auch hochqualifizierte Frauen bringen eine hohe Bildungsaspiration und Erwerbsorientierung mit.

Unternehmen berichten aus der Praxis

Aus der Praxis berichten können Rita Huber, von Rita bringt’s, und Dominique Müller aus dem Human Ressource Management der Billa AG. „Warum sich Billa mit Diversität beschäftigt, liegt auf der Hand: Bei über 19 000 MitarbeiterInnen – davon über 80% Frauen, 78 verschiedenen Nationalitäten, 1 300 MitarbeiterInnen in Karenz – da tut sich schon einiges. Gerade 2015 bei der Flüchtlingskrise sind die Führungskräfte von selber gekommen und haben gesagt, dass sie Flüchtlinge aufnehmen wollen“, berichtet Dominique Müller. Große Offenheit gibt es daher von ihrer Seite auch für das Angebot von inclusion@work, das die Billa AG seit kurzem in Anspruch nimmt. Fragen, die die Führungskräfte besonders beschäftigen: Wo gibt es Förderungen? Zu welchen Beratungsstellen kann ich meine MitarbeiterInnen schicken? Wo bekommen sie im Bedarfsfall Hilfe? In den kommenden Wochen wird das inclusion@work-Team deswegen eng mit Dominique Müller und dem Betriebsrat zusammenarbeiten, um Synergien zu nutzen und alle Schlüsselstellen in den Prozess einzubinden.

Kontrastprogramm in der Unternehmensstruktur ist dazu das Kleinunternehmen Rita bringt’s. Dort ist es ein kleines Team, mit dem inclusion@work zusammenarbeitet. Warum sich Geschäftsführerin Rita Huber für diesen Schritt entschieden hat? „Die ganz ursprüngliche Motivation ist immer die, die Besten im Team zu haben, und das schränkt einfach nicht ein. Für mich ist wichtig, dass wir einen bunten Haufen zusammenhaben. Es müssen die Einstellung, die Motivation und die Chemie stimmen.“ So bunt und divers die Unternehmen und Frauen sind, so ist es auch das Angebot von inclusion@work und deswegen stehen individuelle Lösungen für jedes Unternehmen im Mittelpunkt der Arbeit.

Judith Kohlenberger, Expertin am Institut der Sozialpolitik an der Wirtschaftsuniversität Wien (Fotocredit: Jahan Saber)
Judith Kohlenberger, Expertin am Institut der Sozialpolitik an der Wirtschaftsuniversität Wien, bestätigt den Zugang von inclusion@work mit Ergebnissen aus der Forschung: "Alles, was wir aus der Forschung wissen, wird hier par excellence umgesetzt." (Fotocredit: Jahan Saber)

„Optimistisches Paralleluniversum“ – Manuela Raidl

„Wir erleben aktuell einen gesellschaftlichen Diskurs, der total defizitorientiert ist. Ich glaube, ganz umgekehrt ist es in der Wirtschaft, da will man die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben. Da braucht es eine Offenheit. Es ist ein arbeitsmarktpolitisches Projekt, aber es hilft auch, dabei Vorurteile abzubauen. Es kommt zu persönlicher Begegnung, zu Gesprächen, es entstehen unter Arbeitskolleginnen und -kollegen ganz normale Freundschaften. Dabei wird ein wesentlicher Beitrag zur Solidarität geleistet, gerade in der aktuellen Zeit brauchen wir das wie einen Bissen Brot“, betont Klaus Schwertner die gesamtgesellschaftliche Bedeutung des Projekts und richtet seinen Dank besonders an die anwesenden Unternehmensvertreterinnen am Podium, die er als Botschafterinnen bezeichnet, weil sie sich einerseits auf diesen Gedanken und Zugang eingelassen haben und sich damit auch an die Öffentlichkeit wenden.

Familybusiness

Abschließend betont Manuela Vollmann, wie inclusion@work auf verschiedene Ebenen wirkt. Denn durch eine positive und nachhaltige Jobvermittlung werden nicht nur die Frauen ermächtigt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, es hat auch Auswirkungen auf die ganze Familie und die kommenden Generationen. „Wir wissen, dass Mütter ‚Integrationsmotoren‘ sind. Mit den Frauen und Müttern zu arbeiten, ist primär etwas für sie selbst, aber auch für ihre Kinder. Wenn wir die Mütter nicht mitnehmen, dann wird es ein wirkliches Einsteigen in diese Gesellschaft nicht geben. Da müssen wir schauen, dass die gesamte Familie und die Mütter im starken Fokus sind. Das schaffen wir mit inclusion@work dadurch, dass Frauen ihr eigenes Geld verdienen und Sie als Unternehmen Frauen eine Chance geben. Das ist ein Mehrwert, den wir generieren können.“

Der Film zur Auftaktveranstaltung

Das Video wurde produziert von pilotFilm.at

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