Inclusion@work – So geht Vielfalt für Unternehmen und Frauen feiert Projektabschluss

Das Projekt „inclusion@work – So geht Vielfalt für Unternehmen und Frauen“ hat eineinhalb Jahre lang Unternehmen und Frauen mit Fluchterfahrung mit dem Ziel proaktiver Integration und Frauenförderung begleitet. Der Hauptfokus lag auf der Unterstützung der Unternehmen bei Einstellungsprozessen, vom Recruiting bis zum Onboarding sowie auf der direkten Begleitung von Frauen beim Jobeinstieg.

Am 25. Juni 2019 wurde in den Räumlichkeiten von Microsoft in Wien zur Abschlussveranstaltung geladen. Dorothee Ritz, Geschäftsführerin von Microsoft Österreich, erklärte, dass Empowerment und Gleichstellung für Microsoft bereits lange wichtige Themen sind. Sie begrüßte daher ganz besonders die Anwesenheit der Gäste von inclusion@work im Haus. Die VertreterInnen der Projektpartnerorganisationen Manuela Vollmann, Geschäftsführerin von ABZ*AUSTRIA und David Himler, Projektleiter inclusion@work begrüßten die knapp 70 Gäste und berichteten von der erfolgreichen Zusammenarbeit. 25 Unternehmen sowie 55 Frauen konnten im Projektzeitraum intensiv und eingehend beraten werden. Eine Vielzahl weiterer UnternehmerInnen wurden in Erstgesprächen an die Themen Diversität und Gleichstellung herangeführt.

„Frauen mit Fluchterfahrung sind so verschieden wie andere Frauen auch“

Ildikó Pallmann vom Projektkontor für Bildung und Forschung in Berlin ging in ihrer Key Note auf die Situation geflüchteter Frauen am Arbeitsmarkt in Deutschland ein. Viele Herausforderungen und Bedürfnisse entsprechen der Lage in Österreich. Geflüchtete Frauen haben hohen Beratungs- und Unterstützungsbedarf, um am Arbeitsmarkt erfolgreich Fuß zu fassen. Eine stabile Lebenssituation, ausreichend Kontakte zur Zivilgesellschaft sowie individuelle Sprachförderung stehen ganz oben auf der Liste der notwendigen Voraussetzungen. Die Rolle der Betriebe selbst darf nicht unterschätzt werden – hier müssen Frauen noch stärker in den Fokus rücken und mehr Teilzeitmodelle ermöglicht werden. Es mangelt auch an Praktikumsplätzen, um erste berufliche Erfahrungen im jeweiligen Berufsfeld zu sammeln. „Frauen mit Fluchterfahrung sind so verschieden wie andere Frauen auch“, betonte Frau Pallmann und wünscht sich eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Jobcentern und Bildungsträgern.

„Ohne Fleiß kein Preis“

Die zweite Key Note inspirierte durch eine besondere Persönlichkeit: Khadija Ihsane, eine ehrgeizige junge Frau aus Casablanca. Sie beendete ihr Studium der Ingenieurswissenschaften auf Englisch in Deutschland. Erst nach Studienende merkte sie, wie fremd ihr das Land und die Menschen nach zwei Jahren dort noch waren. Ein Freund fragte sie, wie die Deutschen so seien und sie konnte ihm keine Antwort geben. Grund dafür war, dass sie bislang die Sprache nicht beherrschte. Das rüttelte sie wach und sie setzte sich zum Ziel, fließend Deutsch zu erlernen. Mit Erfolg: nunmehr ist sie als Ingenieurin in Dresden tätig. Ihr Lebensmotto ist „Ohne Fleiß kein Preis“. Jedoch braucht es ihrer Meinung nach auch Unternehmen, die Jobchancen für Menschen mit Migrationsbiografie eröffnen. Denn auch für sie gilt, ohne große Mühe gewinnen sie nicht das Engagement, die Loyalität und die Motivation ihrer MitarbeiterInnen.

„Diversität – wie zukunftsorientiertes Arbeiten erfolgreich umgesetzt werden kann“

Im Anschluss fand eine anregende Podiumsdiskussion zum Thema „Diversität – wie zukunftsorientiertes Arbeiten erfolgreich umgesetzt werden kann“ statt.

Andrea Znidar, HR Managerin bei Microsoft Österreich, setzt im Onboarding auf die internationale Vernetzung der MitarbeiterInnen von Tag eins im Unternehmen. Als internationales Unternehmen bietet Microsoft verschiedene Möglichkeiten, um kulturelle Misssverständnisse und Barrieren entgegenzuwirken.

Baharak Abdolifard, ursprünglich Sozialarbeiterin aus dem Iran, berichtete von den Hürden zur ersten Beschäftigung in Österreich. „Mit diesen Deutschkenntnissen bin ich nicht erste, zweite oder dritte Reihe – ich habe gar keine Reihe“, beschrieb sie ihre Situation am Arbeitsmarkt. Derzeit als Barista in einem Hotel tätig, möchte sie im Herbst ein eigenes Kaffeehaus in Wien eröffnen.

Die Reduzierung auf Sprachkenntnisse geschieht häufig und verhindert die Ausschöpfung der bereits vorhandenen Potenziale dieser Frauen, meinte Haleh Chahrokh.

Sie ist Senior Protection Assistant bei UNHCR und rief die von ihrer Organisation 2013 durchgeführte Studie zu geflüchteten Frauen am Arbeitsmarkt in Erinnerung. Seither gibt es zwar mehr Angebote für diese Zielgruppe, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich aber verschlechtert. Themen wie Existenzsicherung und Dauer des Asylverfahrens sind hier ausschlaggebend.

Alle Diskutierenden waren sich einig, dass ausreichend Zeit und die individuelle Orientierung an den Stärken der Mitarbeiterinnen die Schlüssel zu einer gelungenen Integration von Frauen mit Fluchterfahrung in Unternehmen sind.

Der Abend klang beim Networking am sommerlichen Buffet aus. Wir bedanken uns bei allen RednerInnen und TeilnehmerInnen, UnternehmerInnen und KooperationspartnerInnen. Ganz besonderer Dank geht an Microsoft für die großzügige Gastgeberinnenschaft!

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